Was fordert die e-netz südhessen?

Steckermodul-PV-Geräte und die lokale Situation

Allgemeines:

Steckermodule, Mikro-PV Anlagen, Balkon-PV oder Guerrilla-PV, um nur einige Namen zu nennen, sind „steckerfertige“ Solarmodule mit eigenem Wechselrichter und einem Kabel für den Anschluss ans Verbrauchsnetz im eigenen Haushalt. Sie dienen lediglich dazu, den Strombezug vom Versorger wenigstens zu einem Teil durch selbst erzeugten Strom zu ersetzen.

Dabei ist es heute im Einzugsgebiet der e-netz südhessen nicht mehr notwendig ein “Strom-Guerrilla” zu sein, denn mittlerweile hat unser Netzbetreiber seinen Umgang mit dieser Technologie überdacht und seit Mitte 2020 einiges einfacher gestaltet.

Was ist erlaubt?

Laut EU sind Erzeugungsleistungen bis 800Wp für die Stabilität des Stromnetzes nicht von Bedeutung und eine Regelung deshalb nicht notwendig. (Wp = Höchstleistung der Erzeugung in Watt bei vollem Sonnenschein; sonst weniger.)
Das hat dazu geführt, dass in Deutschland die Installation von 1-2 PV-Modulen und einer Wechselrichter-Leistung von zusammen 600VA (entspricht einer Einspeiseleistung von höchstens 600W) allgemein zulässig ist.
Üblicherweise werden die Wechselrichter dabei „überbelegt“, d.h. das Modul könnte an sonnigen Tagen mehr Strom erzeugen als der Wechselrichter dann auch ins Stromnetz einspeist. Da Module aber mittlerweile sehr preiswert geworden sind, überwiegen die Vorteile, denn an Tagen an denen die Höchstleistung der Module nicht möglich ist, können am Ende manchmal immer noch die 600W erzeugt werden.

Was man im Netzgebiet der „e-netz südhessen“ beachten sollte:

Was sich seit Mitte 2020 bei e-netz Südhessen verändert hat:

Es ist bei uns jetzt so einfach wie überall !!!

  • Die e-netz besteht nun nicht mehr auf die Installation durch einen niedergelassenen Elektriker (Installationsbetrieb).
  • Es reicht die persönliche Erklärung, dass die Anlage fachgerecht an eine entsprechende Steckdose angeschlossen wurde.
  • Der Wehmutstropfen bei der Sache – Nach wie vor empfiehlt die e-netz eine sogenannte „berührungssichere Steckdose“ wie die der Marke Wieland. Einige Solarverbände sehen das anders, denn die zugelassenen Micro-Wechselrichter schalten den Solarstrom ohne Netzkontakt so schnell ab, dass auch die Kontakte eines Schuko-Steckers auf jeden Fall sofort nach dem Ziehen der Steckerverbindung absolut stromfrei und berührungssicher sind. (z.B. die DGS = Deutsche Gesellschaft für Sonnenstrom.) Das Anschließen einer Steckdose ist immer eine Veränderung an der Installation und darf prinzipiell nur durch einen Fachmann vorgenommen werden. (Da fragt man sich, wer all die Elektroteile im Baumarkt kauft…)
  • Der Austausch des Stromzählers in einen Zähler mit Rücklaufsperre ist, soweit nicht bereits vorhanden, mittlerweile kostenlos. (Die neuen digitalen Zähler sind bereits Rücklaufgeschützt.)
  • Auch auf der Webseite der e-netz findet man Informationen zum Thema.
    Zum Beispiel unter dem Link: Photovoltaik-Steckeranlagen anschließen: e-netz Südhessen AG (e-netz-suedhessen.de)
  • Hier gibt es auch eine Weiterleitung zur „Vereinfachten Anmeldung“ der Geräte.
    Anmeldebogen_steckfertige_PV-Anlagen.pdf (e-netz-suedhessen.de)
  • Auch das Marktstammdatenregister der Bundesregierung will eine Meldung haben, denn die Einspeisevergütung für große PV-Anlagen richtet sich nach der bereits installierten Gesamtleistung aller PV-Anlagen in Deutschland.
    Auch hierzu findet man Hinweise auf der Webseite der e-netz unter: Marktstammdatenregister: e-netz Südhessen AG (e-netz-suedhessen.de)
  • Sie können auch direkt auf die Seite des Marktstammdatenregisters gehen. Hier ist zuerst eine Anmeldung als Anlagenbetreiber nötig; sie sind dann Marktakteur.
    Als Marktakteur können sie dann beliebig viele Anlagen zur Stromspeicherung oder Erzeugung anmelden – oder eben nur ein 300Watt-Modul.
    Startseite | MaStR (marktstammdatenregister.de)
  • Wenn sie ihr Steckermodul-Gerät anmelden, sollten sie es an beiden Stellen tun, denn e-netz und Marktstammdatenregister informieren sich gegenseitig.
Was kann ich einsparen ?

Was man mit einem solchen Modul einsparen kann, richtet sich nach dem eigenen Verbrauch.
Theoretisch kann eine Einspeisevergütung verlangt werden. Der Aufwand steht aber in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Vergütungen. Es gibt deshalb auch im Anmeldeformular die Möglichkeit auf eine Einspeisevergütung zu verzichten. Sonst wäre auch ein Zweirichtungs-Stromzähler erforderlich. Dieser hat eine höhere monatliche Grundgebühr und dieser Austausch wäre auch kostenpflichtig.
Eine Abschätzung ob sie ein oder zwei Module nutzen wollen, kann über den Stromverbrauch allgemein abgeschätzt werden. Ein Trick – schauen sie doch mal wie viel Strom sie zwischen zu Bett gehen und dem Aufstehen benötigen und teilen sie dies durch die Zeit. Etwa dort liegt ihre persönliche Grundlast je Stunde. Liegt die Grundlast unter 300W, werden sie auch mit nur einem Modul ab und zu bei gutem Wetter Strom verschenken.
Je Modul mit 300VA Wechselrichter und mindestens 300Wp PV-Modul ist, bei guter sonniger Lage und ohne Verschattung ein Jahresertrag von etwa 300-350kWh möglich. Davon dürfen sie zwei installieren – z.B. Richtung Ost und West. Die Leistung eines Moduls spart etwa so viel Energie wie der Austausch eines alten gegen einen neuen Kühlschrank mit guter Effizienzklasse.

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